+Look Twice
Maschinen-Träume

15. Februar 2013

Robot, Objekt, 2010 (Ausstellungsansicht Look Twice, Foto Malwine Rafalski)Robot, Objekt, 2010 (Ausstellungsansicht Look Twice, Foto Malwine Rafalski)

Ein Roboter ohne jede Funktion, ein etwas seltsamer Apparat, der uns in jeder stressigen Situation beruhigt und noch einer, der uns den CO2-Gehalt der Luft riechen lässt – die „Maschinen“ der Designerin Susanna Hertrich lösen „komplexe menschliche Dilemmata“, meist mit einem Augenzwinkern. Manchmal versprechen sie das auch nur. Sie erzählen davon, wie eine alternative Welt aussehen könnte. Und sie setzen sich immer wieder mit neuen Technologien auseinander, was diese auslösen, wie sie gesellschaftlich funktionieren.

Prothesis for Instincts, Artefakte eines Designforschungsprozesses, in Kollaboration mit der Meta Perception Research Group der Universität Tokyo und dem Design Research Lab Berlin, 2008–2010Prothesis for Instincts, Artefakte eines Designforschungsprozesses, in Kollaboration mit der Meta Perception Research Group der Universität Tokyo und dem Design Research Lab Berlin, 2008–2010

Automated Anchoring Armour und die Serie Prothesis for Instincts pendeln zwischen künstlerischer Hypothese und wissenschaftlichem Experiment. AAA wird wie eine Rüstung am Körper getragen. Sobald der Biosensor auf der Handfläche einen ansteigenden Stresspegel registriert, tippt ein Teil des Gerätes kontinuierlich auf den Unterarm und löst so eine positive Erinnerung aus, für die zuvor ein psychologischer Anker gesetzt wurde. Wer möchte nicht in jeder noch so unsicheren Situationen ruhig bleiben? Mit Prothesis for Instincts denkt Hertrich vorhandene Technologien weiter. Als eine elektronische Erweiterung des menschlichen Körpers ermöglichen es uns die einzelnen Objekte, ähnlich unserer natürlichen Sinneswahrnehmung, abstrakte Daten zu „fühlen“.

Jacobson’s Fabulous Olfactometer, Apparat, in Kollaboration mit dem Tsinghua Art & Science Media Lab und dem Goethe Institut Peking, 2013 (Ausstellungsansicht Look Twice, Foto Malwine Rafalski)Jacobson’s Fabulous Olfactometer, Apparat, in Kollaboration mit dem Tsinghua Art & Science Media Lab und dem Goethe Institut Peking, 2013 (Ausstellungsansicht Look Twice, Foto Malwine Rafalski)

Manche sinnliche Fähigkeiten, wie etwa das Flehmen, das gezielte Wittern nach spezifischen Gerüchen, haben wir im Zuge der Evolution verloren, weil wir sie in unserer hochindustrialisierten Welt scheinbar nicht mehr benötigen. Oder doch? Wie würden wir unsere Städte wahrnehmen, wenn wir mit einem Apparat wie Jacobson’s Fabulous Olfactometer unseren Geruchssinn erweitern und den CO2-Gehalt der Luft riechen könnten?

Robot hingegen schwebt unbeteiligt, geschmeidig und glänzend, doch leider ohne jede praktische Funktion.

Therapy Machines: Automated Anchoring Armour AAA, Apparat, 2010Therapy Machines: Automated Anchoring Armour AAA, Apparat, 2010


Susanne Hertrich (geb. 1973) erhielt ihren Master vom Royal College of Art, London und ihr Diplom von der Fachhochschule Düsseldorf. Von 2002-2006 war sie Privatdozentin an der Bergen Academy of Art and Design, Norwegen. Forschungsstipendium am Design Research Lab, Universität der Künste Berlin, Meta-Perception Group, Universität Tokyo, Intel People & Practices Group, USA. Förderung u. a. vom Goethe Institut, Kulturstiftung des Bundes und Schering Stiftung. Ihre Arbeiten werden international ausgestellt. www.susannahertrich.com

Die seltsamen „Maschinen“ der Designforscherin Susanna Hertrich.