Architecture Matters

Tirana, mon Amour

“If someone says ‘I want this product by then.’ we are generally not interested.”

Das Büro 51N4E wurde 1998 von Freek Persyn, Johan Anrys und Peter Swinnen in Brüssel gegründet und seit 2010 – Swinnen wurde zum „Flamish Architect“ ernannt – von Persyn und Anrys geführt. Der Name leitet sich von den Koordinaten Brüssels ab, 51 Grad nördliche Breite, 4 Grad östliche Länge. Sie arbeiten unter anderem in Belgien, Frankreich und der Schweiz, in der Türkei und in Albanien. Bereits 2004 wurden 51N4E mit dem Maaskant Preis für junge Architekten ausgezeichnet, zwei Mal waren sie bisher für den Mies van der Rohe Award nominiert, unterrichten an internationalen Universitäten, Persyn unter anderem am Berlage Institut und in Mendrisio. So weit die hard Facts.

Potentielle Bauherren, die sich das ‚typische britische Townhouse mit etwas Münchner Vintage und einer Handvoll Eigenentwürfen’ wünschen, sind hier komplett falsch. 51N4E beginnen zu einem viel früheren Zeitpunkt, wenn noch vieles im Unklaren und der äußere Rahmen noch nicht exakt abgesteckt ist. „We have more success in projects, when they first ask a vision and not yet a solution.” Sie sind dann am stärksten, wenn sie komplexe städtische Gefüge neu denken, gesellschaftliche Transformationsprozesse reflektieren und in Raum übertragen können. In den letzten Jahren hat sich ihre Arbeit auf drei Themenfelder konzentriert: bezahlbarer Wohnraum, Stadterneuerung und ein dritter Bereich, den sie „Territories and Governance“ bezeichnen, Forschungs- und Beratungsleistungen für die Politik, von städtischen Institutionen bis zu nationalen Regierungen.

Experiment Tirana

Diese inhaltliche Ausrichtung hat viel mit den bisherigen Arbeitsorten von 51N4E zu tun. Jenseits von Brüssel sind sie mit einer Stadt besonders verbunden. Tirana, Albanien. Das überrascht nur auf den ersten Blick, denn die Auflösung der bestehenden staatlichen Strukturen, die mit dem Zerfall des Ostblocks einherging, bietet bis heute sehr viel Raum für Experiment, die Möglichkeit, in einem umfassenderen Sinne, über einzelne Gebäude hinaus zu gestalten. Seit 2004 arbeiten Persyn und Anrys in Tirana – ihr bisher größtes Bauprojekt, der TID Tower, wurde 2016 nach zwölf Jahren Planungs- und Bauzeit, einige Ruhephasen eingeschlossen, fertiggestellt. Sie haben sich mit und durch diese Stadt entwickelt, ihren Blick und ihre Entwurfsmethoden geschärft. Oft auf die harte Tour, durch Versuch und Irrtum. Eine klare Anleitung zum Bauen in Albanien gibt es in Zeiten des Wandels nicht. (...)

Über 51N4E und ihre Liebe zu Albanien.

Juli 2017

Download Baumeister B7 (Auszug)