Digital Utopia

Digital Play

Dieser Abend ist jungen Architekten und Design(forsch)ern gewidmet, die sich auf spielerische Weise mit neuen Technologien auseinandersetzen. Sie entwickeln adaptive Architekturen, Rauminstallationen und multisensorische Objekte, die virtuelle Informationen physisch spürbar machen bzw. in ein räumliches Erlebnis übersetzen. So entsteht eine neue „digitale Sinnlichkeit“, die über die bloße Simulation der analogen Welt weit hinaus reicht.

Fabian Hemmert forscht am Design Research Lab, UdK Berlin, u. a. an Prototypen für Handys, die Küsse durch einen Feuchtesensor und Händedruck mit einem Drucksensor übertragen. Conny Freyer, Mitbegründerin des preisgekrönten Londoner Designstudios Troika, entwirft atmosphärische Rauminstallationen und narrative „Digital-Objekte“. In den Räumen der Materialforscherin und Textildesignerin Aurélie Mossé, Central Saint Martins College London, werden Zyklen der Natur, wie die Bewegung des Windes, durch neue Technologien sinnlich erfahrbar. Dr. Silke Claus, Geschäftsführerin von bayern design, bereichert den Abend um die Perspektive aus der Designwirtschaft.

Über die Gäste des Abends:

Die Textildesignerin Aurélie Mossé hat mit „Reef“ eine Rauminstallation entwickelt, die sich in Abhängigkeit von ihrer äußeren Umgebung, genauer dem Wind, ständig neu konfiguriert. Die Installation setzt sich aus einer Vielzahl flatternder, digital gesteuerter Module zusammen, die partiell aus dielektrischen Elastomeren bestehen. Mit Reef erforscht Aurélie, inwieweit adaptive Materialien eingesetzt werden können, um Rhythmen und Zyklen der Natur in (Wohn-)Gebäuden aufzugreifen und diese für die Bewohner auf eine sinnliche, intuitive Weise erfahrbar zu machen. In einem größeren Kontext betrachtet, geht es ihr darum, Technologie und Natur nicht als Gegensatz zu begreifen und Architekturen zu entwickeln, die in Wechselbeziehung mit ihrer Umwelt treten, anstatt sich hermetisch abzuschotten. Aurélie promoviert am Central Saint Martins College London und dem Center for Information Technology and Architecture, Kopenhagen.

Der Forschungsschwerpunkt „Embodied Interaction“ von Fabian Hemmert, Doktorand am Design Research Lab, UdK Berlin, liegt in der Interaktion zwischen Nutzer und Technologie: Wie können digital basierte Kommunikationsvorgänge „greifbarer“, weniger abstrakt sein? In einem seiner Projekte untersucht er die physische Äußerung lebensähnlicher Zustandssignale wie Atmung und Puls durch technische Geräte: Mittels Servo- und Vibrationsmotoren könnte unser Handy uns „aufregt“, schnell pulsierend mitteilen, dass wir einen Anruf verpasst haben. Unter dem Titel „Emotionale Telekommunikation“ testet er Möglichkeiten, mit einem Kommunikationsgerät körperliche Nähe zu simulieren. So hat er Prototypen von Mobilfunkgeräten entwickelt, die Küsse durch einen Feuchtesensor und einen Schwamm, einen Händedruck durch einen Drucksensor und eine motorisierte Schaumstoffplatte „physisch erlebbar“ telekommunizieren.

Das Londoner Designbüro Troika arbeitet disziplinübergreifend zwischen Design, Architektur und Installation. Dabei entwirft das Trio nicht einfach nur „schöne Dinge“, sondern solche, die Geschichten erzählen und mit unserer Wahrnehmung spielen. Ihre Installation „Falling Light“ besteht aus einer Vielzahl von digital gesteuerten Kristalllinsen und LEDs, die den Betrachter in einen Lichtregen abtauchen lassen. Bei „Cloud“, einer digitalen Skulptur für den Flughafen Heathrow, überführen sie Flip-Dots – typisch für Anzeigentafeln in den 80ern – in einen zeitgenössischen Kontext. Mit charakteristischem Klicken, doch viel höherer Geschwindigkeit wird aus den einzeln ansteuerbaren Flip-Dots eine animierbare Oberfläche. Die Arbeiten von Troika sind u. a. in der Sammlung des Victoria and Albert Museums sowie des MoMa New York vertreten. 2010 realisierte das Büro drei Installationen für den britischen Pavillon auf der World Expo Shanghai.

Vorhoelzer Forum
Technische Universität München
Arcisstraße 21
80333 München

3.5.2012, 18.30 Uhr


Eine Kooperation zwischen dem Fachgebiet Emerging Technologies der Architekturfakultät der TU München und plan A.

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