Digital Utopia

Touch me!

Beschichtete Gewebe, die Strom produzieren, Textilien, die „atmen“ und bei Berührung pulsieren, Gebäudehüllen aus Stoff, die auf Einflüsse aus ihrer Umwelt reagieren – zunehmend rücken neue Materialien in den Fokus, die tradierte und digitale Eigenschaften verbinden. Wie verändert sich dadurch die Art und Weise, wie wir im Raum (inter)agieren? Welche Möglichkeiten eröffnen sich für Architekten, wenn Informationen auf sinnlichem Weg – über Materialien vermittelt werden können – jenseits von Bedienpanels und Tastatur? Was wäre, wenn durch synthetische Biologie Eigenschaften von Materialien im genetischen Code von Pflanzen „programmiert“ werden könnten? Was davon ist heute (noch) utopisch, was kurz vor der Markteinführung?

Impulsvorträge & Gespräch mit der Londoner Textilforscherin Carole Collet, Central Saint Martins College, die mit der Übertragung biologischer Prinzipien auf das Textildesign experimentiert, der Materialexpertin Christiane Sauer, formade, sowie Josef Roschitz vom österreichischen Architekturbüro Splitterwerk, der mit „Smart Treefrog“ ein Wohnhaus mit einer Bioreaktorenfassade entwickelt und Algen zur Energieerzeugung nutzen will. Begrüßung Peter C. Schmal Direktor DAM, Moderation Nadin Heinich, plan A.

Über die Gäste:

Die Londoner Textildesignerin Carole Collet ist Leiterin des Master-Studienganges „Textile Futures“ und Forscherin am Central Saint Martins College. Seit mehr als zehn Jahren forscht sie zur Zukunft des Textilen im Zusammenhang mit neuen Technologien. Während Collet in früheren Arbeiten noch auf integrierte computergesteuerte Komponenten zurückgriff, um „poetische Stoffe für smarte Häuser“ zu schaffen, hat sich ihr Forschungsschwerpunkt in den vergangenen vier Jahren auf synthetische Biologie und Bionik verlagert. Ihre Arbeiten wurden u. a. im Science Museum und im ICA London sowie im Victoria & Albert Museum ausgestellt. Sie war zudem Leiterin des Forschungs- und Ausstellungsprojektes „Nobel Textiles“, bei dem fünf führende Textil- und Modedesigner gemeinsam mit Nobelpreisträgern der Naturwissenschaften neue Textilien entwickelten.

Christiane Sauer ist Materialexpertin. Sie interessiert sich dafür, „wie Dinge gemacht sind“ und widmet sich der immer komplexeren Materialvielfalt in Architektur und Design. 2001 gründete sie ihr Unternehmen „formade“ für entwurfsspezifische Materialforschung. Seitdem berät Sauer Architekturbüros sowie zunehmend Hersteller zu allen materialspezifischen Fragen. Dabei erforscht sie immer wieder neue, ungewöhnliche, im Architekturbereich bislang wenig bekannte Werkstoffe und Produkte.

Die Mitglieder von Splitterwerk verstehen sich weniger als klassisches Architekturbüro, denn als wechselnde Forschungs- und Ausführungsteams innerhalb eines Labels, die an Projekten zwischen Malerei, Installation, Baukunst und neuen Medien arbeiten. Insbesondere interessiert sie die Erforschung von experimentellen Oberflächen, Beschichtungen und Reliefs aus computergenerierten Mustern, elektronisch gesteuerten Projektionen oder selbstleuchtenden Oberflächen, bis hin zur aus Algen bestehenden Bioreaktorenfassade. Bekannt wurde das in Graz ansässige Studio u. a. mit dem Mehrfamilienhaus „Black Treefrog“, Bad Waltersdorf oder der Firmenzentrale „Frog Queen“, Graz. Splitterwerk ist an der IBA Hamburg (2009-2013) beteiligt und wurde bisher u. a. mit dem Österreichischen Staatspreis und dem Österreichischen Bauherrenpreis ausgezeichnet.

Deutsches Architekturmuseum
Schaumainkai 43
60596 Frankfurt am Main

24.11.2011, 19 Uhr
 

Eine Kooperation zwischen dem Deutschen Architekturmuseum und plan A.

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