Essay & Reportage

Biennale Venedig

Český Krumlov ist eine pittoreske Stadt in hügeliger Landschaft an der Moldau in Südböhmen. 1253 wurde der Ort erstmals urkundlich erwähnt, seit 1992 zählt die Altstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe, das Schloss ist nach der Prager Burg der zweitgrößte Burg- und Schlosskomplex der tschechischen Republik. Es gibt zahlreiche Kultureinrichtungen wie das Egon Schiele Art Centrum, die International Art Gallery, sieben Museen, vier Galerien, fünf Musikfestivals, ein Theaterfestival, Mittelalterspektakel, Bierverkostungen der lokalen Brauerei, Floßfahrten etc. Schon 1963 wurde das historische Zentrum unter Denkmalschutz gestellt, verfiel jedoch während der Zeit des Sozialismus zusehends. Anfang der 90er Jahre begann die Renovierung. Heute dominieren hier Hotels, Pensionen, Restaurants und Cafés, Juweliergeschäfte und dergleichen.

Während die Altstadt von Touristen überrannt wird, ziehen sich die Einheimischen zurück. Von den 13.141 Einwohnern der Stadt leben nur noch rund 200 im Zentrum, günstige Wohnungen sind hier ebenso rar wie Arbeitsplätze jenseits des Tourismus – ein Problem, das Český Krumlov mit vielen Welterbe-Städten teilt. Wie viele Touristen verträgt eine Stadt, ohne zum Museum zu werden? Wie kann normales Leben zurückgeholt werden? Das ist das Thema des Tschechischen und Slowakischen Pavillons, der auf der diesjährigen Architekturbiennale von der tschechischen Künstlerin Kateřina Šedá bespielt wird.

Kateřina Šedá kam auf Einladung von Hana Jirmusová Lazarowitz, der Direktorin des Egon Schiele Art Centrums, nach Český Krumlov – und wollte angesichts der Touristenmassen am liebsten sofort wieder weg. Sie blieb und machte diesen totalen Touristenort zum Ausstellungsgegenstand im umgekehrten Sinne. (…)

Demonstrativ sichtbar ein normales Leben führen  – Über den tschechischen Pavillon von Kateřina Šedá.

25.5.2018

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