Essay & Reportage

Karstadt, Kaufhof, Stars und Wettbewerb

Wir werden den Beweis antreten, dass Warenhäuser in der Innenstadt funktionieren

Christoph Stadlhuber, Sprecher der Geschäftsleitung des österreichischen Immobilienunternehmens SIGNA, über das Engagement der Firma bei Karstadt und Kaufhof, die Kompetenz von Architekten und seine Präferenz für klassische Wettbewerbe


Wieso hat SIGNA sich 2014 entschieden, ein tradiertes Handelsunternehmen wie Karstadt zu kaufen?

Der Beginn unserer Handelsaffinität war das Kaufhaus Tyrol in Innsbruck. Hier haben wir nicht nur das Objekt errichtet, sondern sind auch Betreiber des Shoppingcenters. Wenn Sie ein Kaufhaus in der Innenstadt bauen, müssen Sie sehr genau wissen: Wie funktioniert der Händler, welche Flächenzuschnitte braucht er, welcher Shop muss wo angeordnet sein, damit jeder genügend Auslagefläche hat, wie funktioniert die Logistik? Je intensiver man sich mit dem Handel beschäftigt, umso interessanter wird das Wissen um die Kombination von Händler und Immobilienmann. Das hat uns dazu bewogen, bei Karstadt einzusteigen. Wir haben die Gelegenheit erhalten, einzelne Immobilien zu kaufen, das Oberpollinger in München, das KaDeWe in Berlin, das Alsterhaus in Hamburg, dazu mehrere Karstadt-Häuser.

Im vergangenen Herbst sind die verbliebenen beiden großen deutschen Warenhäuser, Karstadt und Kaufhof, unter der Leitung der SIGNA-Gruppe fusioniert. Sie glauben an die Zukunft der normalen Warenhäuser, jenseits des Premiumsegments?

Wir leben nicht in einer Welt, in der der Onlinehandel oder der stationäre Handel überleben kann, es bedarf einer Kombination. Dafür gibt es viele Möglichkeiten, die die großen Kaufhäuser in innerstädtischen Lagen perfekt bieten. Karstadt und Kaufhof gehören zu den stärksten Marken in Deutschland überhaupt. Wir werden den Beweis erbringen, dass Warenhäuser funktionieren.

Bei der Umgestaltung der drei großen Kaufhäuser arbeiten Sie mit OMA, John Pawson und Jan Kleihues zusammen – drei sehr unterschiedliche Büros. Wie wählen Sie die Architekten aus?

Unsere Auswahl der Architekten erfolgte in diesen Fällen von der Handelsseite und nicht, weil sie „Stars“ sind. Wir sind bei allen drei Häusern in sensiblen Bereichen: Zum Teil geht es um Denkmalschutz, wir bauen im laufenden Betrieb um. Das Entscheidende bei der Auswahl eines Architekten ist, dass er die Anforderungen des Nutzers entsprechend umsetzen kann. Wie gesagt: Es bringt nichts, mit einem „Star“ zusammenzuarbeiten, der aber keine Ahnung von Handel und Handelsimmobilien hat und nicht verstehen will – das muss man bewusst so sagen – wie der Nutzer tickt. Wir bauen eine enge Beziehung mit den Architekten auf, die muss auf einer emotionalen und auf einer sachlichen Ebene funktionieren.

Haben Sie oft die Erfahrung gemacht, dass Architekten nicht verstehen möchten, wie Nutzer ticken? Ich gehe davon aus, Sie arbeiten meist mit großen Büros, die sehr professionell organisiert sind, zusammen(...)

Interview mit Christoph Stadlhuber, SIGNA

22.2.2019

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