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Radical Chinese

Vielleicht klingt sein Weg im Nachhinein geradliniger als er tatsächlich war. Ole Scheeren wurde 1971 in Karlsruhe geboren. Der Vater war Architekt, schon als Kind baute Scheeren mit ihm seine ersten Häuser. Studiert hat er dann in Karlsruhe, in Lausanne, bei Luigi Snozzi, und an der Architectural Association in London. Mit 21 Jahren war er das erste Mal in China, reiste mit dem Rucksack drei Monate quer durch das Land. Eine intensive, ursprüngliche Erfahrung, die, wie er selbst sagt, sein Verständnis der Welt grundlegend verändert hat, eine Befreiung von der rein westlichen Perspektive, Bequemlichkeiten und der gewohnten Geborgenheit.

Scheeren ging nach Rotterdam, um für Rem Koolhaas zu arbeiten. Mit einunddreißig Jahren wurde er Partner, verantwortlich für das Asiengeschäft und plante mit CCTV das zweitgrößte Bürogebäude der Welt. 2010 schließlich, nachdem er 15 Jahre für OMA tätig war, gründete er sein eigenes Büro in China mit zwei Niederlassungen in Beijing und Hongkong – China als kreative Basis, „von China aus denken“. Das klingt alles wahnsinnig inspirierend, aber auch nach dem Austesten der eigenen physischen und psychischen Grenzen. Nun plant Scheeren die Eröffnung einer weiteren Dependance in Berlin. Passt das – allein wenn man sinnbildlich an die unendlich langsamen Rolltreppen und Aufzüge am Berliner Hauptbahnhof denkt? Vielleicht ist gerade diese Reibung interessant.

Eine Baunetzwoche von Nadin Heinich über den Architekten Ole Scheeren.

25.6.2015

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